Grosse Scheidegg 2013

Scheidegg_2013E. Japichino So Sprüche wie „Petrus muss ein Rothrister sein!“, oder „Petrus ist ein Modellsegelflieger!“ und ähnlich mögen abgedroschen klingen und sind sicherlich schon oft angewendet worden. Aber sie sind wahr, auf alle Fälle in diesem Jahr. Sei es wie es wolle. Nach wochenlangem Regenwetter und kühlen Temperaturen, kam genau auf das Wochenende vom 15./16. Juni 2013, an welchem das alljährliche Segel-Weekend der MFG Rothrist auf der grossen Scheidegg stattfindet, ein Hochdruck-Warmluft-Thermik-zum Teil Wolkenlos-Band auf die Schweiz zu. 

Ich konnte es kaum glauben, als ich am Mittwoch, 12. Juni von Kilian ein SMS von der Grossen Scheidegg erhalten habe. Blauer Himmel, schöne rote FOKA vor (fast) grünem Grund. Thermik mässig, aber es war warm an der Sonne, es regnete nicht, und die Arbeit war weit unten im Tal und somit kein Thema.

Am Donnerstag, dem 13., war ich pünktlich um 8 Uhr am Morgen bei Ueli. Nach einer Schleichfahrt durch Staus und Baustellen, einem Kafi im Grauholz und der Kletterpartie von Grindelwald her, trafen wir so gegen 11 Uhr auf dem „Heiligen Berg“ ein, wo wir auf Andy und Kilian stiessen. Welch eine Erholung nach dem Verkehrsstress-Chaos. Klar, dass wir als erstes die neue Wirtefamilie, Jan und Kerstin Kwiecien („Kwietschen“ 11157288245_acf6e665f9_kausgesprochen) begrüssen gingen. Zu ihnen später mehr. Danach war Fliegen angesagt. Aber vom Feinsten. Andy plagte seinen DEMO bis zum geht nicht mehr. Ueli liess den Flächenverbinder vom FURIO ächzen. Kilian schwebte mit seinem SSL in der Stratosphäre herum, und ich tuckerte mit meiner ASW-17 Schaumwaffel zwischen ihnen hindurch. Ui, haben die Flügel der ASW teilweise geschwabbelt! Das Wetter war so gut, dass sich Kilian ein Herz fasste und mit schlotternden Knien und wehenden Nerven die FOKA OHNE Gummi, von Andreas in die brodelnde Thermik schmeissen liess. Am Tag vorher musste er bei einem Gummi-Start mit der FOKA feststellen, dass der Haken etwas zu weit hinten platziert ist. Deshalb der Handstart. Was für ein Flugbild, was für ein Speed! Was für eine Diva! Nach dem Motto: „Fliegst Du mich etwas zu langsam –  dann tauche ich halt ab.“ Aber Kilian hat der Diva den Meister gezeigt, und wie! Es war wunderbar, einmal einen Rumpf am Himmel sehen zu können, der sein Ebenbild nicht in der Besenkammer stehen hat. Leider bezog das Seitenruder-Servo bei der Landung eine Portion Schlag, so dass es den Geist aufgab. Wie schade! Angespornt durch Kilians Mut, musste Andreas nochmals antreten, um meine Ka-8 in die Blauthermik zu verfrachten. Auch hier, ein Flugbild zum wahnsinnig werden. Ein Tram in der Luft, mit kleinen Tücken. Der Seitenruder-Ausschlag war zu klein. Zu langsam geflogen, schmiert die Ka-8 gleich ab. Wobei zu langsam bei diesem Modell fast gleichbedeutend mit  Stillstand ist. Leider sprang bei der Landung ein Zaunpfahl so hoch, dass er den linken Flügel der Ka-8 stark, aber nicht irreparabel, beschädigt hat. Den Sprung gefördert hat sicherlich auch der Umstand, dass es der Erstflug war. Natel raus, Hope angerufen, gefragt, ob man einzelne Flügel bekommt. Nein! Habe ich mir fast gedacht – bei diesen Preisen, kein Wunder. Aber zu einem guten Preis könne ich einen neuen Baukasten haben. Der Umstand, dass ich die Ka-8 von meiner Liebsten geschenkt erhalten habe, sowie das umwerfende Flugbild gaben den Ausschlag, dass ich das gute Angebot des Fachgeschäftes ohne Umschweife angenommen habe. Nachdem uns Kilian von den schlechten Rösti erzählt hatte, waren wir auf das Abendessen gespannt. Dieses fiel aber besser aus, als erwartet. Nach einigen Bier, und etwas Wein, sowie dem einen oder anderen Appenzeller, suchten wir Erholung vom Tag in den Kojen des Massenschlages.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war auf der Grossen Scheidegg der Regenteufel und die Windhexe los. Quer wurden die Regentropfen an die Fassade geblasen. Wo ein Fenster offen war, auch nur angelehnt, drang Wasser ein. Fensterläden wurden an die Wand geschlagen, so dass Kilian, am nächsten beim Fenster schlafend, diese mitten in der Nacht sichern musste.

Am Freitag Morgen glaubte ich, durchdrehen zu müssen. Das Restaurant um 8 Uhr noch nicht offen – und mein Morgenkaffee? Meine Stimmung war schon angeschlagen, als diese noch etwas trüber wurde, wie das Wetter, welches draussen herrschte. Aber, was ein echter Modellflieger ist, lässt sich von so Kleinigkeiten nicht aus dem Konzept bringen. ALULA sei Dank, wurde auch am nebligen Freitag munter geflogen. Andy strapazierte seine Augen, indem er seinen Heizer (DEMO) unter und in den Nebelschwaden herumturnen liess, und ab und zu halt auch in den Schwaden verschwand. Aber cool wie Andreas nun mal fliegt, kam der DEMO immer dort wieder aus dem Nebel, wo er ihn erwartet hatte, und wenn nicht, so hat es niemand gemerkt. Kurt hat sich am Freitag auch noch zu uns gesellt. Zeitweise war es wieder klar und sonnig, so dass es fliegerisch gar nicht so ein schlechter Tag war. Hauptsache keinen Regen. Gegen Abend gesellte sich dann auch Dominique zu uns. Ihm war noch nicht um’s Fliegen, was er dann am Sonntag ausgiebig nachgeholt hat. Das Hohrücken-Steak war einer Schuhsohle näher als einem Gourmet-Teil, aber es war essbar. Mit etwas Pinot Noir oder einem Bier liess es sich gut herunterspülen. Mit bereits mehrheitlich sehr stark geröteter Gesichts-Haut, legten sich einige bereits früh Schlafen, da die frische Luft und die Sonne dem Körper stark zugesetzt hatten.

Die Nacht auf den Samstag verlief ohne Zwischenfälle. Nachdem wir beim Wirte-Paar reklamiert hatten, gab es diesen Morgen doch den verdienten Morgenkaffee. Im Verlaufe des Morgens trudelten immer mehr Mittglieder auf der Grossen Scheidegg ein. So auch Thomas, welcher in dankenswerter Weise das Weekend wie immer super organisiert hat. Am Vormittag konnte man eine Jacke und sogar eine Kappe vertragen. Die Feuchtigkeit vom Vortag war noch nicht ganz verschwunden. Zum Glück! Dadurch konnten sich Wolken bilden, welche einerseits alle etwas vor der Sonne zu schützen vermochten, andererseits die Modelle regelrecht ansaugten. So kam jeder der mochte und die Ratschläge der erfahrenen Cracks befolgte, zu unvergesslichen Erlebnissen in Form von langen Flügen. Das Essen am Abend war optisch nicht über jedem Zweifel erhaben, aber geschmacklich sehr fein. Da einige noch nicht genug von den ALULA-Flügen hatten, gingen diese Männer mit Nerven wie Kevlar-Bündel nach dem Essen nochmals auf den Berg. Welch ein Spass! Und als der Aufwind nachgelassen hatte, übten alle das Fangen der ALULA mit mehr oder weniger grossem Erfolg. Nach dem üblichen Bier oder/und Appenzeller ging es mit einigen Flugstunden mehr auf dem Sender, diesmal relativ früh, in den Massenschlag.

Am Sonntag Morgen liess ich den Kaffee ausfallen. Wir frühstückten sehr früh (ca. 8 Uhr), 11157562153_a41ff772c9_kweil, draussen schien die Sonne von einem klaren, blauen Himmel auf uns herab. Nach dem Frühstück packte fast alle ein angenehmes Reissen auf den Berg. Modelle zusammengesteckt und ab damit in die Luft. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelte sich der Sonntag zu einem wahren Wahnsinn an Thermik. Wobei wir gegenüber Hebu und Dominique, welche auf einem Hügel Separée flogen, eindeutig etwas den kürzeren gezogen haben. Als wir nämlich gegen Abend die ALULA’s kaum mehr in der Luft halten konnten, bolzten die besagten zwei mit Ihren CFK-Bombern wie wahnsinnig in der Luft herum. Wer an diesem Tag auf der Grossen Scheidegg seine wohlverdiente Ruhe suchte, hatte Pech. Das Heulen und Jammern der modernen Segler war weit herum zu hören. Jeder Ruderausschlag wurde mit einer leichten Änderung der Tonlage quittiert. Für uns Modellflieger „The Sound of Silence“, wenn nicht gerade einer das Lied „The Boxer“, von Simon und Garfunkel – ohne Unterbruch – summt.

Gegen 17 Uhr begann das grosse Aufräumen und zusammenpacken. Als Abschluss eines unvergesslichen Wochenendes, entschlossen sich 6 tapfere Männlein, ein Fondue zu Essen. Die schlechten Erfahrungen vom letzten Jahr, liessen Andreas und Kurt daran zweifeln, ob das eine gute Idee sei. Aber die Wirtin, Kerstin, versicherte uns, dass das Fondue nicht aus der gleichen Packung kommt, wie dasjenige vom Vorjahr. Das hat sich dann auch so bestätigt. Ein würdiger Abschluss eines (fast) perfekten Wochenendes. Kurt und Andreas verbrachten auch noch den Montag im Modell-Segel-Paradies.

Und nun zum Wirte-Paar. Wir empfanden die Gastgeber als unsicher im Umgang mit und um Gäste herum, aber jederzeit freundlich. Leider fiel der Koch kurz vor unserem Eintreffen wegen akutem Blinddarm aus. Böse Zungen behaupten, wegen einer Lebensmittelvergiftung, was wir jedoch definitiv zu den Spekulationen zählen müssen. Kurzerhand ist Kerstin eingesprungen, und hat uns so verpflegt, dass wir nicht verhungert sind. Thomas hat dem Wirte-Paar beim Abschied auf Nachfrage derselben, ob alles in Ordnung gewesen sei, noch den einen oder anderen Tipp mit auf den Alltag gegeben. Es ist zu hoffen, dass sie diesen auch folgen, damit wir sie am Segel-Weekend 2014 wieder auf der Grossen Scheidegg vorfinden. Schön wäre es, wenn sie durchhalten können, und so den Betrieb auf der Grossen Scheidegg aufrecht erhalten.

Denn wir gehen gerne wieder auf den „Heiligen Berg“, auch wenn er ab und zu seine Macken hat. Wie eine Diva.

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