Bald geht’s wieder los

E. Japichino Was hat meine alte Schleppmaschine, der „Bacchus“ (Baujahr 2007), eine Konstruktion von Kudi, nicht alles durchgemacht, durchmachen müssen? Einige Saisons mit Kurt Bitzer. Dann, als erster Schnitt, eine harte Landung, wobei sich der Antriebsmotor die Welle gebrochen hat. Irgendwie hat der „Bacchus“ dann den Weg zu mir gefunden. Da ich nicht gerne ein Gewurstel in meinen Modellen habe, wurde der Antriebsmotor kurzerhand nicht im Rumpf, so wie vorgesehen, sondern vorne ausserhalb des Rumpfes montiert. Das erste Bild welches ich Kurt gezeigt habe, fand nicht so einen guten Anklang. Erst als ich den Motor unter einem zur Motorhaube zweckentfremdeten Teil einer 2L Cola-Flasche versteckt habe, sah das ganz anders aus. Dann die ersten Schleppversuche mit mehr oder weniger Erfolg. Gekrönt Ende 2014 vom krassen Absturz beim Start. Nachdem ich den „Bacchus“ liebevoll wieder aufgepäppelt habe, verrichtete er seine Arbeit an 2 Schlepptagen im Jahr 2015 ohne Wehklagen und Erkrankungen oder Unfälle. Der Hacker-Motor trieb den 3-Blatt-Klapppropeller ohne Mühe an. Die Akkus lieferten die Energie dazu und verloren kaum an Effizienz. Ein Highlight der Karriere meines „Bacchus“ dürfte wohl der letzte Schlepptag gewesen sein. Als einzige Schleppmaschine vor Ort vollbrachte sie an jenem Tag ca. 20 Schleppflüge. Ohne Schaden, versteht sich.

Schlepptag148

imageWarum habe ich den „Bacchus“ verkauft? Ich wollte einfach mal wieder was anderes. Darum habe ich mich nach einem würdigen Ersatz für den Bacchus umgesehen. Nicht zu gross, nicht zu klein, ein schön farbiger Schlepper musste es sein. Meine Wahl fiel auf den Pilatus Porter von Pichler mit 212 cm Spannweite. Laut Katalog ist ein Antrieb mit 6S vorgesehen. DAS war mir eindeutig zu wenig. Der Zufall will es, dass ich vor Weihnachten 2015 eine F3A-Maschine kaufen kann. Diese hat 10S-Akkus. Also muss der Schlepper auch diese Akkus verwenden (können).

Die Schachtel des Pilatus Porter‘s trifft bei mir kurz vor Weihnachten ein. Gut, dann kann ich zwischen Weihnachten und Neujahr das Teil bauen. Beim Auspacken des Modells, packt mich die Wut. Diese Hirnis haben die Streben nicht im Karton sicher befestigt. Wie es der Zufall will, verirrt sich eine solche zwischen die Flügel und drückt dort ein Loch in die empfindliche Folie. Handy gezückt und dokumentiert und danach sofort ein Mail an den Lieferanten geschrieben. Klar, dass ich Ersatz erhalte, aber der lässt dann auf sich warten. Es wird 2016 bis ich das Teil endlich in der Werkstatt habe.

Auspacken und alles kontrollieren. Alles i.O. Und dann geht es los. Das Hauptfahrwerk ist schnell montiert und beim Spornrad kommt das erste grosse Fluchen. Vor allem die Anlenkung mit einem Gummi-Bowdenzug schlägt dem Fass den Boden raus. Aber das IMG_2355habe ich dann hingekriegt. Eine Carbon-Schubstange ersetzt den Gummizug. Zügig geht es dann weiter mit dem Motoreinbau. Hier muss ich extra den Motorträger von Hacker bestellen, was meine Bauzeit künstlich verlängert. Die Flügel und Streben sind schnell montiert. Die Anlenkung der Höhenruder will ich mit lösbaren Kugel-Clips machen. Mache ich auch, muss dann aber feststellen, dass die dem Baukasten beigelegten Ruderhörner, welche ich schon eingeklebt habe, überhaupt nicht torsionssteif sind. DAS ist mir zu viel Spiel. Also weg mit den Kugel-Clips und normale Gabelköpfe montiert. Und dann zum Schluss, die 3 Leckerbissen schlechthin: Die Motorhaube, der Spinner und der Servoeinbau in den Flügeln.

Bei der Motorhaube fallen die Auspuffrohr-Attrappen der Turbine fast von selber ab. Egal, arbeite ich halt ohne weiter.  Die kann ich auch am Schluss noch einharzen. Dann stelle ich fest, dass die Motorhaube für meinen gewählten Antrieb zu klein ist, bzw. der Motorträger zu gross. Also schneide ich einige Teile am Motorträger ab, damit die Haube darüber passt. Gut, das hätten wir. Nun zum Spinner, also nicht zu mir, den am Motor. Um die Leistung des 10S-Antriebes gut abzugeben, wähle ich einen 4-Blatt-Propeller. Das Berechnungsprogramm von e-flight hilft mir da. Zur Sicherheit frage ich bei Hacker nach. Die empfehlen mir dann sogar den etwas schwächeren und günstigeren Motor, den ich auch bestellt habe. Da ich mit den Klapppropeller am „Bacchus“ sehr gute Erfahrungen gemacht habe, ist klar, dass ich auch am Porter Klapp-Blätter einsetzen werde. Aber, was für ein Spinner soll es sein? Nach langem Suchen im Internet und dem Kauf eines unbrauchbaren Spinners, habe ich dann einen Carbon-Spinner, welcher auch im Durchmesser passt, gefunden. Aber, wie immer hat alles Gute ein „aber“, der Spinner hat keine Öffnungen für den Prop, die muss man selber reinwerkeln. Egal, das kriege ich sicher auch hin. Damit die Klapp-Blätter die Auspuffrohre der Turbine nicht abschlagen beim zurück klappen, muss ich etwas in den Spinner einbauen, was das verhindert. Ich konstruiere am CAD einen Blattanschlag und bitte Kudi mir dieses Teil zu fräsen. Dann fräse ich die entsprechenden Öffnungen am Spinner aus, montiere das Ganze und freue mich, dass es gut gekommen ist.

Was normalerweise eine Freude ist, artet beim Porter zum Albtraum aus: der Einbau der Servos in den Flügeln und die Ruder-Anlenkungen von Landeklappen und Querruder. Die Servoschächte sind entweder zu breit oder dann zu lang. Ich entscheide mich dazu, die zu breiten Schächte zu verwenden. Die Standard-Servos passen auf alle Fälle rein. Gut. Um Gewicht zu sparen, sind die Ruder ausgenommen. Alle ca. 10 cm ist eine Verstärkung in Form einer Doppelrippe mit Abstand für das Ruderhorn eingebaut. Nur: das Ruderhorn, bzw. die Anlenkung kann nicht gerade ausgeführt werden, da die Servoschächte zu stark versetzt sind. Auwaia! Das zwingt mich dazu, überall Kugelköpfe einzusetzen. Da bin ich nicht traurig darüber. Das macht die Anlenkungen spielfrei und leichtgängig. Aber als ich die Öffnungen für die Ruderhörner (übrigens habe ich die von Kudi aus GFK gefrästen genommen, da die im Baukasten schlicht unbrauchbar für diesen Ruderaufbausind) fräse, zerfällt der vorgesehene Schacht in Wohlgefallen. Woran soll ich jetzt diese Ruderhörner ankleben? Schei……benkleister! Aber wir sind ja Modellbauer, und daher um keine Lösung verlegen. Mit 30-Minuten-Epoxy, welchen ich mit Baumwollflocken aufgedickt habe, betoniere ich die Ruderhörner in die Querruder und die Landeklappen. Nachdem der Kleber ausgehärtet ist, kontrolliere ich die Festigkeit. Ich zerre an der Ruderhörnern, so fest ich kann. Ich höre damit auf, bevor sich das Ruder verabschiedet.

Für den Einbau des Empfängers und des Spannungsreglers (10S auf 7V), muss ich im Rumpf noch eine Plattform aus Sperrholz einbauen. Gesagt getan. Die Klappen nehme ich auf ein intelligentes V-Kabel von Emcotec. Funzt prima. Dann noch die Antenne verlegt und alles programmieren, das war’s.

Obwohl ich weiss, dass ein Standlauf in der Werkstatt nicht unbedingt empfehlenswert ist, gerade bei 10S, kann ich es nicht lassen. Ich stelle das Modell zusammen. Alle Verbindungen richtig eingesteckt, einschalten, Motorverriegelung am Sender ausschalten und auf das erlösende Fiepen des Reglers warten. Ahh, wie befreiend diese Melodie doch klingen kann. Langsam schiebe ich den Leistungshebel nach vorne. Die 4 Blätter bewegen sich und erzeugen einen geilen Sound. Fast wie eine Turbine, aber nur fast.

Alle schreiben am Schluss: „…es hat zwar mehr gebraucht, aber der Aufwand hat sich gelohnt!“. Bei mir steht das jetzt auch da, aber ich meine es nicht ganz so. Das Modell sieht gut aus. Die Verarbeitung ist für den Preis absolut in Ordnung. Aber der Aufbau des Modells ist nicht ganz durchdacht. So ist der Ausschlag vom Seitenruder konstruktionsbedingt begrenzt. Meines Erachtens ist der Ausschlag zu klein, aber das werden dann die Flüge zeigen. Die Zugänglichkeit ist allgemein schlecht. Aber, da ich das von den Kohlebombern her kenne, musste ich meine Gichtfinger nicht umbauen. Und dann der Hammer: da dieses Modell für den Schleppflug prädestiniert ist, hätte ich erwartet, dass der Rumpf im Bereich des Einbaus der Schleppkupplung etwas verstärkt sei. Aber nein!! Die Schlaumeier haben genau dort grosse Ausfräsungen gemacht, damit der Rumpf genau da bricht. Ich habe dann den Rumpf an dieser Stelle verstärkt. Der Einbau der Verstärkung kommt einer Operation am offenen Herzen sehr nahe. In das gleiche Thema geht der Platzbedarf vorne im Motorraum. Ein Einbau eines 10S-Monsters ist sicherlich nicht unbedingt vorgesehen, aber schon mit 8S ist der Raum am Limit des Fassungsvermögens. Ein Antrieb mit 8S ist für den Schleppbetrieb mit diesem Modell, meines Erachtens, die untere Grenze.

Nachträglich hätte ich besser ein paar Franken mehr in das Modell investiert, und dafür ein paar graue Haare weniger wie jetzt. Aber jetzt steht das Modell bei mir bereit für die, hoffentlich würdige, Nachfolge des „Bacchus“ anzutreten.

Die Saison kann los gehen!

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5 Antworten zu Bald geht’s wieder los

  1. Gogi schreibt:

    Geiler Flieger Manu! Sobald meine Komar flugbereit ist (im Moment fertig bespannt, immernhin…) kommt die Patrouille Suisse Porter auf den Tisch. Hoffentlich erlebe ich keine negativen Ueberraschungen beim Einbau, nehme aus deinem Bericht gerne ein paar Anregungen, danke. Dann machen wir zusammen mit Kurt einen flotten Dreier-Formationsflug, juhui.

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    • M schreibt:

      Klar machen wir einen flotten Dreier! 🙂
      Und Deine Komar ziehen wir natürlich gerne in den blauen Himmel. So wie alle anderen Segler auch. Sofern ich dann den Porter im Griff haben werde. Bald gehts los!

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  2. Kurt Bitzer schreibt:

    Hallo Manu wenn ich dein baubericht so lese bin ich richtig froh über mein Porter der mir beim Bau kein Ärger bereitet hat. Ich hoffe das gogi nicht das gleiche schreiben muss wie du,und freue mich auf einen flotten Dreier in der Luft.
    Gruss Kurt

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    • M schreibt:

      Hoi Kurt
      Ich gehe mal davon aus, dass bei meiner Porter vor allem ich das Problem war. 🙂 Abgesehen vom Spornrad und dessen Anlenkung und der Verstärkung des Rumpfes bei der Schleppkupplung. Weil ich halt etwas mehr Power haben wollte, wie vorgesehen. Gemäss Pichler kann man den mittleren Porter mit 1000 W betreiben. Aber schleppen mit 1000W? Ich habe jetzt einen Antrieb mit 2200 W drin. Der braucht natürlich mehr Platz, vor allem im Motorraum und ist entsprechend schwerer. Jetzt muss es nur noch wärmer werden, und dann beurteilen wir auch die Flugeigenschaften.
      Gruss M

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  3. M schreibt:

    Flugeigenschaften
    Nach einem guten Jahr Flugerlebnis, kann ich sagen, dass das Teil gut fliegt. Sehr gut sogar. Und, im Gegensatz zur Bacchus auch viel besser sichtbar ist. Für Männer in meinem Alter ein grosser Vorteil. Dank einer Aufrüstung meines Modells mit MUI (Verbrauchsmesser) und einem Geschwindigkeitsmesser, kann ich jetzt hören, wie voll der Akku noch ist und die Geschwindigkeit auf das jeweilige Segelmodell abstimmen. Funzt alles prima.
    Den eigentlichen Schwachpunkt des Modells habe ich jetzt endgültig ausgemerzt: die Anlenkung und Lagerung des Spornrades. Da habe ich jetzt richtig stabile Oschis verbaut.

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